Juristische Fakultät
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Jessup Team 2020/2021

Der Fall

The Case Concerning the J-VID-18 Pandemic

Der Fall des Jessup Moot Court 2020/2021 beschäftigte sich mit Fragen aus den folgenden Themengebieten:

  • global pandemic, and the obligations and responses of States with respect to the outbreak,
  • questions of the jurisdiction of the Court,
  • a desperate claim for political asylum by an alleged rogue scientist, and
  • State responsibility for a suspicious aircraft explosion.

Das Team

Erfahrungs- und Erfolgsbericht

Nach vier spannenden Matches vor anspruchsvollen Richter*innen in den nationalen Runden gegen die Georg-August-Universität Göttingen, die Bucerius Law School, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die Universität Hamburg verpasste das Münchner Team leider knapp den Einzug in das Viertelfinale. Das Team gratuliert dem Gewinner der National Rounds, Hertie School of Governance Berlin, sowie dem Runner-Up, Humboldt Universität Berlin.

In den internationalen Runden setzte sich das Münchner Team nach vier Vorrunden-Matches gegen die Russian Academy of Law, die Christ University (Indien), die Kyoto University (Japan) und die University of Cambridge (England) durch und konnte sich für die Advanced Rounds qualifizieren.
In den Advanced Rounds trat das Team gegen vier weitere, starke Gegner an: Die Universidad Iberoameriana (Mexiko), die Escuela Libre de Derecho (Mexiko), die Gadjah Mada University (Indonesien) und die University of Windsor. Dabei konnte sich Luise Behring unter den Top 50 Oralists (Platz 37) qualifizieren. Nach diesen Matches schied das Münchner Team knapp aus und erreichte nach den Advanced Rounds Platz 58 von über 570 Teams weltweit. Das Team gratuliert dem Gewinner der Global Rounds, University of Sydney, sowie dem Runner-Up, National University of Singapore.

Das Münchner Team bedankt sich ganz herzlich bei allen Unterstützer*innen - namentlich der Kanzlei Taylor Wessing, der Kanzlei Seven Summits Arbitration und dem Alumniverein der Juristischen Fakultät -, sowie bei den Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer, Jones Day und Hogan Lovells, die Räumlichkeiten für den Wettbewerb bereitgestellt haben. Ein großer Dank gebührt auch den Organisationsteams der National und Global Rounds, ohne deren Engagement, Kreativität und harte Arbeit die Jessup Moot Court Competition in Pandemiezeiten nicht zustande gekommen wäre!

Das Team stellt sich vor

Sara Anticic

Bereits vor Beginn meines Studiums hatte ich den Wunsch einmal beim Jessup Moot Court teilzunehmen, da er während des Studiums die einzige Möglichkeit bietet, einmal wie ein richtiger Anwalt zu praktizieren.
Ich habe nicht nur gelernt ausgiebig zu recherchieren, sondern auch Ideen im Team auszutauschen sowie Meinungsverschiedenheiten zu besprechen und zu beseitigen. Das wertvollste jedoch, was man im Jessup mitnimmt, ist die Fähigkeit eine aussagekräftige und strukturierte Rede vorzubereiten und zu halten und dabei schwierige Fragen präzise und selbstbewusst mit einem Lächeln zu beantworten.
Dies ist etwas, was im Studium - meines Erachtens nach - sehr vernachlässigt wird, obwohl es eines der wichtigsten Werkzeuge eines Anwalts ist. Schließlich habe ich in meiner Zeit beim Jessup Moot Court neue und interessante Menschen kennengelernt, von denen ich viel lernen konnte und zu denen ich auch nach dem Jessup noch Kontakt halte.

Luise Behring

Die Teilnahme am Jessup Moot Court war für mich eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums bisher. Der Jessup ermöglichte mir, komplett frei und eigenverantwortlich juristische Praxis zu üben, und das an einem Fall, der an Komplexität und rechtlicher Nuance realen Rechtsstreitigkeiten in nichts nachstand. Neben dieser unschätzbaren Erfahrung erlernten wir von Grund auf rhetorische Fähigkeiten neu, von Betonung über Gestik bis hin zum korrekten Stand am Pult. Mooten kann Knochenarbeit sein- wir verbrachten lange Tage und Nächste in der Völkerrechtsbibliothek und steckten bis zum Ellbogen in Pandemierecht, Flüchtlingskonventionen, Kriegsrecht, und obskuren Jurisdiktionsproblemen- doch gerade diese Atmosphäre macht es aus und ermöglicht die unglaubliche Menge an persönlichem und akademischem Wachstum, die der Jessup mir und uns allen gebracht hat. Nebst alldem ist der Jessup jedoch vor allem Beweis dafür, was das Engagement und die Liebe zum Fach vieler Freiwilliger, Ehemaliger, und Interessierter schaffen kann: ich war jeden Tag neu begeistert von der Vielfältigkeit an Persönlichkeiten und akademischen wie beruflichen Historien, die mir im Jessup begegnet sind, allen voran natürlich denen meines Teams! Ich kann jedem Interessierten nur raten, teilzunehmen- die Begeisterung, die bei Teilnehmern wie Freiwilligen und Förderern spürbar ist, ist ansteckend, und auch ich hoffe, dem Jessup noch lange erhalten zu bleiben.

Juna Icaza Wilfert

Nach einer Terrorwarnung von INTERPOL und während eines absoluten Flugverbots taucht ein Flugzeug am Himmel auf und nähert sich der Hauptstadt eines Landes. Trotz unzähligen Versuchen der Kontaktaufnahme erfolgt keinerlei Reaktion von Seiten der Passagiere. Das Flugzeug ist nunmehr drei Minuten von der Hautstadt entfernt – darf es abgeschossen werden, um potenziell tausende von Leben zu retten?
Mit dieser und weiteren aktuellen völkerrechtlichen Fragen beschäftigten wir uns über acht Monate hinweg im Rahmen des Jessup Moot Court. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, mich zu bewerben, war mein Interesse für internationale Politik und der Wunsch, schon früh in meinem Studium praktisch zu arbeiten. Trotz der Covid-19 Pandemie hatten wir als Team das Privileg, statt eines Onlinesemesters sechs Tage die Woche in der Völkerrechtsbibliothek zusammenzuarbeiten.
Die Schriftsatzphase von September bis Januar lehrte mich, präzise Argumente in juristischem Englisch zu formulieren, genau zur recherchieren und vor allem, sehr viel Frustrationstoleranz aufzubauen. Diese ist mehr als notwendig, wenn man nach der Lektüre sämtlicher Artikel zu einer Thematik und schlafraubenden Nächten feststellt, dass es schlussendlich keine richtige Lösung gibt. Umso schöner ist es, wenn es einem schließlich doch gelingt, das scheinbar Unmögliche logisch darzulegen und den bohrenden Fragen von Seiten der Richterbank standzuhalten.
Nach intensivem Rhetoriktraining und zahlreichen Probeplädoyers durften wir dies schließlich in mündlichen Verhandlungen gegen Teams aus aller Welt unter Beweis stellen. Erst während dieser Zeit wurde mir so richtig bewusst, wieviel an Wissen und Fähigkeiten jede von uns über die letzten Monate hinzugewonnen hatte. Der Jessup war eine unvergessliche Zeit für mich und ich bin meinen Mitstreiterinnen und Coaches unendlich dankbar für diese Erfahrung. Ich kann jedem und jeder nur ans Herz legen, den Spirit of the Jessup selbst zu erleben – beschreiben kann man ihn sowieso nicht.

Annika Knauer

Zur Bewerbung beim Philip C. Jessup International Law Moot Court hat mich primär meine Leidenschaft für Völkerrecht bewogen. Durch mein vorheriges Auslandssemester in Finnland und den angefangenen Schwerpunkt Völkerrecht an der LMU durfte ich bereits vieles über dieses Rechtsgebiet lernen. Dennoch bringt einem der Jessup viel mehr bei als nur Wissen auf dem Gebiet des Völkerrechts.
Die Themen, mit denen sich die Fälle befassen sind häufig an aktuellen Ereignissen orientiert und stellen daher Probleme dar, die es so entweder noch gar nicht gab oder die höchst umstritten sind. Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Stattdessen muss man lernen zu recherchieren, mit verschiedensten Quellen umzugehen, und dann das Problem so hinzudrehen, dass es auf den eigenen Sachverhalt passt und für den zu vertretenden Staat möglichst positiv ist. So nah an die echte Arbeit eines Juristen in der Praxis kommt man in keiner Vorlesung. Aber neben den nächtelangen Recherchen und Diskussionen mit den Teammitgliedern, mit dem Ziel einen Schriftsatz zu verfassen, steht natürlich auch der mündliche Teil des Wettbewerbs. Die eigenen Rhetorikkenntnisse auszubauen, zu lernen mit quälenden Fragen einer Hot Bench umzugehen und stets so tun zu können als hätte man die volle Kontrolle und wüsste genau, worüber man spricht, obwohl das häufig nicht der Fall ist, sind kennzeichnend für die Pleadingphase und sicherlich Können, das einen ein Leben lang prägen und weiterbringen wird.
Die Diskussionen im Rahmen der Global Rounds ermöglichten uns, andere Perspektiven aus aller Welt einzunehmen und den Fall nochmal von einem ganz anderen Blickwinkel aus zu betrachten.
Die Teilnahme am Jessup hat mich häufig an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht, sei es, weil ein Problem unlösbar erschien, weil man für eine Aussage einfach keine Quelle gefunden hat und dann bei der Abgabe ein bisschen schummeln musste, oder weil man nach einer durchgemachten Nacht am nächsten Morgen trotzdem in die Bib musste. Und doch möchte ich keine Sekunde dieser außergewöhnlichen, bereichernden und prägenden Monate missen, ganz besonders nicht, weil ich mit meinen Teammädels und Coaches wundervolle und beeindruckende Persönlichkeiten kennenlernen durfte, die ich heute meine Freunde nennen darf.