Juristische Fakultät
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Staatskirchenrecht oder Religionsverfassungsrecht II

Polaritäten eines Rechtsgebiets

Hinter der bipolaren Gegenüberstellung der Begriffe „Religionsverfassungsrecht“ und „Staatskirchenrecht“ steht der Versuch, unterschiedliche Perspektiven auf das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften möglichst griffig einzufangen. Der „begriffspolitische Grundsatzstreit“, so der Titel einer Tagung, die die Organisatoren im November 2005 organisiert haben, wird also nicht wegen der Begriffe, sondern wegen der mit ihnen transportierten Inhalte geführt.

Am Ende der Tagung des Jahres 2005 stand die Erkenntnis, dass die Bipolarität „Staatskirchenrecht oder Religionsverfassungsrecht“ zwar nicht in der Lage ist, die Vielfalt der Perspektiven auf das Verhältnis von Staat und Religion abzubilden, die sich allein aus unterschiedlichen Staats- und unterschiedlichen Religionsverständnissen ergeben. Gleichwohl erschien die Unterscheidung didaktisch wertvoll, um alternative Grundpositionen leichter unterscheidbar und damit besser sichtbar zu machen.

Mit der Folgetagung wurde der Faden der Diskussion aufgenommen und fortgesponnen. Hierzu wurde - unter Beibehaltung der schon damals prägenden Bipolarität – der Ansatz modifiziert. Vor dem Hintergrund von teilweise quer zu den allgemeinen staatkirchenrechtlichen oder religionsverfassungsrechtlichen Linien stehenden Positionen wurden einzelne Zentralfragen des Verhältnisses von Staat und Religion bipolar anhand von acht begrifflichen Gegensätzen interdisziplinär diskutiert. Hierbei ging es beispielsweise um folgende Fragen: Welche Bedeutung kommt institutionellen Aspekten der Organisation von Religion zu und welche Rolle spielt das Individuum (Institution vs. Individuum)? Trägt Religion zu gesellschaftlicher Integration bei oder überwiegt das Risiko der Bildung von Parallelgesellschaften (Integration vs. Parallelgesellschaften)? Wie stark sind religionsrechtliche Ordnungen weiterhin nationalstaatlich geprägt und inwieweit wirken das Völker- und das Europarecht ein (national vs. international)?