Juristische Fakultät
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Zur Person

Professor Dr. Hermann Nehlsen wurde am 15.08.1936 in Papenburg an der Ems geboren und wuchs in Bremen auf. Er studierte Rechtswissenschaften in Hamburg, Innsbruck und Freiburg im Breisgau.

Nach Ablegung des Ersten Juristischen Staatsexamens wurde er 1965 in Freiburg zum Dr. jur. promoviert mit einem Thema zur Frage der ständischen Herkunft des Patriziats und der Entstehung der großen Bürgervermögen, dargestellt am Beispiel der berühmten Freiburger Patrizierfamilie Snewlin.

Die Habilitation erfolgte in Göttingen im Sommer 1971 mit einer Untersuchung über germanisches und römisches Recht in den germanischen Rechtsaufzeichnungen, herausgearbeitet am Beispiel der  rechtlichen und sozialen Stellung der Sklaven bei den germanischen Stämmen in der Spätantike und im frühen Mittelalter. In diesem Werk wurde erstmalig die hinsichtlich ihrer Verbreitung bei den germanischen Stämmen seitens der Literatur, insbesondere der rechtshistorischen Autoren, weitgehend geleugnete Sklaverei – in ihrer überragenden Bedeutung – in das Blickfeld der Forschung gerückt. Zugleich wurde von Professor Nehlsen eine bisher unbekannte, erhebliche Rezeption römischer Rechtsvorstellungen bei den germanischen Stämmen sichtbar gemacht.

Nach kurzer Tätigkeit als Privatdozent folgte er 1973 unter Ablehnung von Rufen auf Lehrstühle an den Universitäten Berlin, Innsbruck und Regensburg einem Ruf auf den Lehrstuhl für Deutsche Rechtsgeschichte, Deutsches Privatrecht und Bürgerliches Recht an der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Zu den größeren Arbeiten von Professor Nehlsen zählt die Untersuchung zur Aktualität und Effektivität der Leges Barbarorum auf der Basis von über sechstausend spätantiken und frühmittelalterlichen Urkunden. Im Rahmen seiner Forschungen zur Entstehung des öffentlichen Strafrechts brachte Professor Nehlsen die herrschende Lehre von der Friedlosigkeit zum Einsturz. In weiteren Arbeiten wurde der große Einfluss des Alten Testaments auf die Rechtsentwicklung bei den germanischen Stämmen aufgezeigt.

Bis zu seiner Emeritierung zum 30.09.2004 gehörte er dem Vorstand des Leopold-Wenger-Instituts für Rechtsgeschichte an, wobei sich seine Aktivitäten im Rahmen des Instituts in besonderem Maße auf die Abteilung Deutsche und Bayerische Rechtsgeschichte richteten. Ein Sammelband „Untersuchungen zur bayerischen Rechtsgeschichte“ befindet sich im Druck.

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Hochschullehrer legte und legt Professor Nehlsen besonderen Wert auf eine effektive Gestaltung seiner Lehrveranstaltungen.

Zu den derzeitigen Forschungsschwerpunkten im Bereich der Rechtsgeschichte zählen: Geschichte der spätantiken und frühmittelalterlichen Rechtsquellen, Einfluss des Alten und des Neuen Testaments auf die Rechtsentwicklung im frühen Mittelalter, Entstehung des öffentlichen Strafrechts, spätantike und mittelalterliche Ständegeschichte, Rechtsentwicklung unter dem Nationalsozialismus, erbrechtliche Fragen in Nachwirkung des Privatfürstenrechts.

Die Emeritierung stellt für Professor Nehlsen keinen gravierenden Einschnitt hinsichtlich seiner Aktivitäten dar. Er hält, ohne entsprechende Verpflichtung, weiterhin Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare) ab und betreut überdies unverändert eine beträchtliche Anzahl von Doktoranden.

Auf dem Gebiet des Bürgerlichen Rechts ist Professor Nehlsen als Gutachter in großen Erbprozessen gefragt.

Professor Nehlsen amtierte von 1990 bis 2009 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Wissenschaft, Forschung und Kultur fördernden Kester-Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck. Seitens dieser Stiftung wurden diverse rechtswissenschaftliche Projekte gefördert, u.a. wurde dem Leopold-Wenger Institut für Rechtsgeschichte eine - von der Kester-Haeusler Stiftung unter Federführung von Professor Nehlsen aufgebaute - umfangreiche Bibliothek des Rechts der ehemaligen DDR gestiftet.

Als Vorstandsmitglied betreut Professor Nehlsen weiterhin die dem Andenken des Komponisten Emanuel Moór (1863 – 1931) und dessen Bruders, des Malers Henrik Moór (1876 – 1940) verpflichtete Emanuel-und-Henrik-Moór-Stiftung. Zugleich wirkt Professor Nehlsen als Vorstand der von der Tochter Henrik Moórs errichteten Anita Moór Stiftung.  Lange Jahre (1995 - 2001) war Professor Nehlsen Vorstand der Deutschen Schillerstiftung von 1859, Weimar, der ältesten deutschen Literaturförderstiftung.

Wegen seiner Verdienste um diese Stiftung wurde Professor Nehlsen im Jahre 2000 zu deren Ehrensenator ernannt. In dieser Eigenschaft kümmert er sich weiterhin um die Belange der Deutschen Schillerstiftung.

EHRUNGEN

Im Jahre 2002 wurde Professor Nehlsen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im Jahre 2010 wurde Professor Nehlsen das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen.

Zum 70. Geburtstag wurde Professor Nehlsen die aus dem Kreis seiner Schüler – Hans-Georg Hermann, Thomas Gutmann, Joachim Rückert, Mathias Schmoeckel, Harald Siems – herausgegebene Festschrift „Von den Leges Barbarorum bis zum ius barbarum des Nationalsozialismus“ gewidmet.