Juristische Fakultät
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Sommersemester 2015

Programm im Sommersemester 2015

Mittwoch
20.05.2015

Ref. iur. Thomas Rothballer

Diskriminierungsrechtfertigung aufgrund beruflicher Anforderungen

Bald neun Jahre sind seit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vergangen und noch immer bestehen Unklarheiten. Strittig ist die Frage der Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen im Arbeitsrecht. § 8 Abs. 1 AGG legitimiert Ungleichbehandlungen dann, wenn das Vorhandensein oder Fehlen eines der pönalisierten Gründe eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforde-rung darstellt. Diese – insbesondere europarechtlich geschuldete – Häufung unbestimmter Rechtsbegriffe öffnet Tür und Tor für Rechtsunsicherheit und eine Vielzahl verschiedener Ansichten in Literatur und Rechtsprechung. Der Vortrag soll Anlass sein, über Inhalt und Umfang dieser Rechtfertigungsklausel unter Beachtung der Zielsetzung des AGGs und anhand praxisnaher Beispiele zu diskutieren. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob und inwieweit Tendenzunternehmen ein besonderer Schutz in Form einer speziellen Rechtfertigungsmöglichkeit zugestanden werden darf und soll. Zu berücksichtigen ist auch eine Vielzahl europarechtlicher Fragen, die sowohl Wissenschaft wie auch die Praxis vor Schwierigkeiten stellen. Gerade dort, wo der Regelfall verlassen wird und besondere – vom europäischen wie auch nationalen Normsetzer nicht geregelte – Konstellationen bestehen, bedarf es einer praxistauglichen und gleichzeitig europarechtskonformen Vorgehensweise.

Mittwoch
24.6.2015

Andreas Bartholomä, M.A.

Vom Barkauf- zum Abstraktionsprinzip? Einblicke in den derivativen Eigentumserwerb in der Antike

Die Entscheidung über die Voraussetzungen des (derivativen) Eigentumserwerbs kann als Grundsteinlegung des Vermögensrechts einer Privatrechtsordnung be-zeichnet werden. In Kontinentaleuropa stehen mit dem Konsensprinzip (Frankreich [Code Civil 1804]), dem Kausalprinzip (Österreich [ABGB 1811]) und dem Abstraktionsprinzip des deutschen BGB (1900) drei Grundkonzeptionen zur Auswahl. Letzteres hat bekanntlich F. C. v. Savigny aus dem römischen Recht, genauer: aus der Digestenstelle D. 41,1,36 (Iul. 13 dig.), abgeleitet. In diesem Vortrag wird eine Auswahl antiker Quellen vorgestellt, die sich mit den Voraussetzungen des derivativen Eigentumserwerbs beschäftigen: So soll schon das römische Zwölftafelgesetz (ca. 450 v. Chr.) eine Vorschrift zu dieser Frage enthalten haben; im 6. Jahrhundert n. Chr. jedenfalls sind deren Voraussetzungen erheblich „entschärft“ (Inst. 2,41). Aber nicht nur die Römer setzen sich hiermit auseinander: In Platons Gesetzen (Lg. 849e-850a2; Lg. 915d6-e6) skizziert der Philosoph im Rahmen seiner Mustergesetzgebung die Eigentumsübertragung beim Kauf; in einem Fragment des Philosophen Theophrast von Eresos (371 – ca. 287 v. Chr.), dem Nachfolger des Aristoteles, fin-det sich ein Vergleich der Rechte verschiedener griechischer Stadtstaaten zum derivativen Eigentumserwerb.

Mittwoch
15.7.2015

Dr. Birke Häcker, M.A.

Was sie eint, was sie trennt – Über die Konvergenz und Divergenz verwandter Rechtssysteme

Unter den großen Rechtskreisen der Welt ragen der römisch-germanische (sog. civil law) und der anglo-amerikanische (sog. common law) besonders hervor. Jener wurde durch die Epoche des gemeinen Rechts (ius commune) begründet, dieser erhielt seine spezifische Prägung durch den ‚Export‘ des englischen common law während der Kolonialzeit. Wurde die Kohärenz des kontinentaleuropäischen ius commune jedoch im Laufe des 19. Jahrhunderts unter den nationalen Kodifikationen fast vollständig begraben, begreift sich das common law – jedenfalls außerhalb der USA – weiterhin als ein zusammenhängender Rechtsraum eng verwandter Systeme. Vor diesem Hintergrund untersucht der Vortrag, welche Faktoren die Konvergenz bzw. Divergenz verwandter Rechtssysteme begünstigen, wie sich Divergenzen auf den Gruppenzusammenhalt auswirken und welche Mindestanforderungen an einen solchen Zusammenhalt überhaupt zu stellen sind. Exemplarisch werden einige Entwicklungen bei der Entstehung des modernen common law-Panoramas der historischen Erfahrung mit dem kontinentalen ius commune gegenübergestellt; zugleich soll aber auch der Frage nachgegangen werden, was eine etwaige zukünftige Privatrechtsangleichung auf europäischer Ebene (unter Einbeziehung des Vereinigten Königreichs) für die Kohärenz des common law bedeuten würde.